Donnerstag, 17. Februar 2011

Gladio - Geheimarmeen in Europa


In Italien und Deutschland sterben in den 60er bis 80er Jahren zahlreiche Menschen bei Bombenanschlägen. Indizien belegen bestimmte Zusammenhänge, die Spuren führen zu einer geheimen Struktur namens "Gladio". Ursprünglich als Spionage- und Sabotageorganisation im Falle eines sowjetischen Angriffs gegründet, diente Gladio politischen Interessen und wird nun verdächtigt, im Umfeld rechtsradikaler Gruppen Gewalttaten im Auftrag politischer Interessen begangen zu haben.
In den 60er bis 80er Jahren erschüttert eine Serie von Bombenanschlägen Italien. So sterben 1969 in Mailand 16 Menschen bei einem Bombenanschlag. Im August 1980 detoniert eine Bombe im Bahnhof Central in Bologna - 85 Menschen sterben. Im September des gleichen Jahres gibt es auch in Deutschland Bombenopfer. Beim schwersten Anschlag der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte sterben 13 Menschen auf dem Münchner Oktoberfest. Im Lauf der Jahre häufen sich die Indizien, dass diese Anschläge in einem bestimmten Zusammenhang stehen: Alle Täter kommen aus dem Umfeld rechtsradikaler Gruppen, mehrfach wird militärischer Sprengstoff benutzt.
Die Spuren führen zu einer geheimen Struktur, koordiniert von der NATO und den nationalen Geheimdiensten - ohne parlamentarische Kontrolle. Ihr Name: "Stay behind", später auch "Gladio". Sie geht auf eine US-Initiative für "verdeckte Operationen" von 1948 zurück. Geheime Waffendepots werden angelegt und Agenten ausgebildet. Im Falle eines sowjetischen Angriffs auf Westeuropa sollten sie sich überrollen lassen und hinterrücks Sabotageakte und Guerillaoperationen durchführen. Doch der sowjetische Angriff blieb aus. Was aus den geheimen Strukturen wurde, ist weitgehend unbekannt.
Spuren von Gladio finden sich in Italien. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Strukturen seit den 60er Jahren benutzt wurden, Regierungen an der Macht zu halten. Trotz massiver Behinderung der italienischen Justiz durch Geheimdienste und Behörden gelingt es, die Existenz von Gladio nachzuweisen. 1990 räumt der damalige italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti öffentlich ein, dass Gladio nicht nur in Italien, sondern europaweit existierte und existiert. Es wird umfassende Aufklärung gefordert - passiert ist wenig.
So auch in der Bundesrepublik. Obwohl es Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Gladio und dem Attentat auf das Münchner Oktoberfest von 1980 gibt. Die Ermittlungen werden eingestellt. Die Asservate, die dank neuer, kriminaltechnischer Methoden Hinweise geben könnten, sind mittlerweile vernichtet. Haben Rechtsextremisten Gladio-Strukturen auch in Deutschland benutzt, um ihre politischen Ziele zu verfolgen? Die Frage bleibt offen. Die Wahrheit über Gladio findet sich in den Archiven - unter Verschluss. Nur deren Öffnung könnte Klarheit bringen. Aber bis heute fehlt der politische Wille zur Aufklärung.

Fuck the Army! - US-Militärs gegen den Vietnam-Krieg

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Der Dokumentarfilm zeichnet die Eskalation des Konflikts zwischen Kriegsdienstverweigerern und der amerikanischen Gesellschaft während des Vietnamkrieges nach und zeigt parallel dazu die Entwicklung der Protestbewegung, die Amerika traumatisierte und spaltete.
Am 6. November 1965 trug Leutnant Henry Howe auf einer Antikriegs-Demonstration ein Transparent mit der Aufschrift "End Johnson's Fascist Aggression in Vietnam" ("Beendet die faschistische Aggression von Präsident Johnson in Vietnam"). Howe war der erste Soldat, der sich in dieser Weise öffentlich äußerte, und wurde deswegen von einem Standgericht umgehend zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Seinem Beispiel folgend, kamen hunderte weitere Soldaten für ihren Widerstand gegen den Vietnamkrieg ins Gefängnis. Diese Bewegung hatte 1971 ein derartiges Ausmaß angenommen, dass eine Kommission des Pentagons zu der Auffassung gelangte, über die Hälfte der in Vietnam kämpfenden Truppenmitglieder sei gegen den Krieg. Es gab Berichte über Einheiten, die sich dem Kampf verweigerten; von Morden an Offizieren und massiver Verbreitung harter Drogen in der Armee war die Rede.

Am 20. August 1974 zitierte die New York Times die offiziellen Zahlen des Pentagons zur Fahnenflucht: 503.926 Desertionen zwischen 1966 und 1973. Dennoch versuchten Regierung, Medien und die amerikanische Gesellschaft insgesamt nach dem Rückzug der amerikanischen Truppen und dem Fall von Saigon, diese Tatsachen aus dem kollektiven Gedächtnis zu streichen. Bis 1990 war in keinem der über 100 Filme über den Vietnamkrieg die Rede von aufständischen GIs. Im Gegenteil, es wurde der Mythos von den Pazifisten geschaffen, die auf GIs spucken, die aus dem Vietnamkrieg zurückkehren. Und genau dieser Mythos wurde im ersten Golfkrieg von Bush senior ausgeschlachtet.

Ausgehend von Aussagen zahlreicher Veteranen aus der Bewegung der Kriegsdienstverweigerer und auf der Grundlage von Amateurarchiven, offiziellen US-Archiven und damaligen Erklärungen der militärischen und politischen Verantwortlichen sowie von Dokumentarfilmen aus den 70er Jahren rekonstruiert Filmemacher David Zeiger die zehn Jahre der amerikanischen Beteiligung am Vietnamkrieg und die Protestbewegung dagegen.

Gipfelstürmer - Die blutigen Tage von Genua


2001 versammelten sich die Regierungschefs der größten Industrienation in Genua zum jährlich stattfindenden Wirtschaftsgipfel G-8. Während die Staatschefs und ihre Berater im frisch herausgeputzten Palazzo Ducale über den freien Warenverkehr in der Welt berieten, forderten 300.000 Globalisierungsgegner auf den Straßen des Konferenzorts eine gerechtere Welt. Noch nie hatten sich so viele Menschen zu einem Protest gegen die herrschende Weltordnung versammelt, und noch nie war die Reaktion der Polizei so scharf wie in Genua. Die Regierung Berlusconi, seit wenigen Wochen im Amt, hatte 20.000 Polizisten zusammengezogen. Und diese prügelten und verhafteten in einer Willkür, die die parlamentarische Opposition in Rom an chilenische Zustände erinnerte. Hunderte zum Teil Schwerverletzte wurden mit gebrochenen Rippen, Beinen und Armen in Krankenhäuser eingeliefert. Gleichzeitig – so erzählen Zeugen – hätten Polizisten mit faschistischen Liedern und mit Hymnen auf Mussolini ihre “Siege” gefeiert.Doch der öffentlichen Ordnung hat das rabiate Vorgehen der Polizei wenig genützt. Im Gegenteil: Rund 800 Schwarzvermummte konnten in Banken ungestört Feuer legen, Supermärkte plündern oder Autos anzünden. Die Gewalttäter, eine Mischung aus Skins, Hooligans, Neonazis und professionellen Randalierern, zogen drei Tage lang brandstiftend durch Genua und nahmen quasi unter den Augen der Polizei – manche sagen, mit ihrer stillen Duldung – die Stadt auseinander.

Samstag, 12. Februar 2011

300 Juden gegen Franco


Jüdische Freiwillige aus Palästina im Spanischen Bürgerkrieg.
Als 1936 der Spanische Bürgerkrieg begann, verließen mehr als 300 Juden das britische Mandatsgebiet Palästina, um in den Internationalen Brigaden gegen den Faschismus zu kämpfen.
Viele von ihnen waren jüdische Kommunisten und davon überzeugt, dass der Faschismus nicht nur das größte Übel für die Juden, sondern der Menschheit überhaupt sei.
Diese Freiwilligen aus Palästina mussten sich mit dem Widerstand der zionistischen Gemeinschaft sowie der Kommunistischen Partei auseinander setzen. Denn auch in Palästina wurde beim Aufbau der jungen Siedlungen und Kibbuzim jede Hand gebraucht - im "gelobten Land" für einen jüdischen Staat zu kämpfen, hielten viele für wichtiger, als das Leben in der Fremde aufs Spiel zu setzen. Auch die Familien der Freiwilligen verstanden diesen Einsatz oft nicht. Denn manche der engagierten Kämpfer waren ja gerade erst den Verfolgungen durch die Nationalsozialisten in Deutschland entkommen, so wie der junge Deutsche Kurt Goldstein.
Neben Goldstein (der Journalist und Träger des Bundesverdienstkreuzes ist im September 2007 in Berlin gestorben) kommen in der Dokumentation "300 Juden gegen Franco" weitere der letzten heute noch lebenden Freiwilligen und Familienangehörigen zu Wort, ergänzt von Filmausschnitten, Tagebuchauszügen, Briefen und Dokumenten. Der Film des israelischen Regisseurs Eran Torbiner zeichnet lebendig die Schicksale der Menschen in Palästina und Spanien nach, ihren Kampf, aber auch ihre Lieben, Enttäuschungen, Hoffnungen und Verluste.

Montag, 7. Februar 2011

Häuser, Hass und Strassenkampf - Die Revolte der Westberliner Hausbesetzer




Vor 26 Jahren, am 22. September 1981, wurde während eines Polizeieinsatzes der
18-jährige Hausbesetzer Klaus-Jürgen Rattay von einem Bus erfasst und getötet.
Dieser Unfall war der traurige Höhepunkt der Auseinandersetzungen um besetzte
Häuser in Westberlin. Straßenkämpfe waren damals fast an der Tagesordnung.
Der neue Innensenator Heinrich Lummer (CDU) versuchte den Hausbesetzern
gegenüber eine Politik der Stärke. Die Lage eskalierte, Hass und
Gewaltbereitschaft gab es sowohl bei Hausbesetzern als auch bei Polizisten.
Viele Jahre lang waren vor allem in Kreuzberg alte Häuser entmietet worden -
um die leeren Häuser dann abzureißen. 1980 begann die linksalternative Szene in
Westberlin, solche Häuser zu besetzen.
Die Hausbesetzer glaubten nicht an die tradierten Lebensentwürfe. Die
Gesellschaft der Bundesrepublik schien ihnen vor allem dem Konsum nachzujagen.
Sie hingegen versuchten, andere Modelle des Zusammenlebens und -arbeitens zu
erproben.
Die Szene suchte Räume, um sich zu verwirklichen, und sie fand sie auch in den
Hunderten von leer stehenden Häusern.
Die Dokumentation rekonstruiert die Hintergründe und den Ablauf der Ereignisse,
die zum Tod Rattays führten.